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I. Die Pferdetramway (1865–1903)
Innerhalb weniger Jahre spannten sich die Schienen durch die gesamte Stadt. Die Wiener Tramway-Gesellschaft und später die Neue Wiener Tramway-Gesellschaft betrieben zusammen ein Netz von über 172 Kilometern Strecke mit über 3.000 Pferden. Besonders reizvoll war das Bild der geschmückten Pferde vor den eleganten Wagen auf der Ringstraße — ein Anblick, der leider für immer verschwunden ist. II. Die Elektrifizierung (1897–1903) Der große Wandel begann am 28. Jänner 1897 — also genau vor hundert Jahren! — als die erste elektrische Straßenbahnlinie von Mariahilf nach Hernals in Betrieb genommen wurde. Die Elektrifizierung war ein Triumph der Wiener Ingenieurkunst. Innerhalb von nur sechs Jahren wurde das gesamte Netz umgestellt. Die letzten Pferdetramways fuhren am 26. Juni 1903 — ein Datum, das ich jedes Jahr still gedenke. "Die elektrische Tramway ist die Zukunft der Stadt. Schneller, sauberer, zuverlässiger — Wien wird Europa zeigen, wie man eine Großstadt bewegt." III. Die Blütezeit (1903–1945) Die Zwischenkriegszeit war das goldene Zeitalter der Wiener Straßenbahn. Das Netz erreichte seine größte Ausdehnung mit über 290 Kilometern Strecke und beförderte jährlich über 800 Millionen Fahrgäste. In dieser Ära fuhren die berühmten Typ M / Typ N Wagen durch Wien — elegant, robust und unverwechselbar im Klang ihrer Glocken. Wer dieses Geläut noch kennt, wird es nie vergessen. Der Zweite Weltkrieg brachte schwere Zerstörungen. Bei Kriegsende waren nur noch 12 von 60 Linien in Betrieb. Der Wiederaufbau war eine Meisterleistung. IV. Nachkriegszeit und der E1 (1945–1990)
Der E1 wurde zum Symbol der Wiener Straßenbahn. Über 300 Stück wurden geliefert, und sie fahren bis heute zuverlässig durch Wien. Ihr charakteristisches Surren und das hydraulische Zischen der Türen — das sind die Klänge meiner Jugend. Leider wurden ab den 1960er Jahren auch viele Linien eingestellt. Das Netz schrumpfte von 290 auf heute etwa 172 Kilometer. Ein tragischer Verlust, der mich persönlich sehr schmerzt. V. Die Zukunft: Der ULF (1990er)
Ich gestehe: Meine Gefühle sind gemischt. Der ULF ist modern, barrierefrei und komfortabel. Aber er hat nicht die Seele des E1. Wo ist das Surren? Wo ist das Rattern auf den Weichen? Die Zukunft wird zeigen, ob Wien seine Tramway-Tradition auch mit neuen Wagen bewahren kann. Ich bin zuversichtlich — aber auch ein wenig wehmütig. (Letztes Update dieser Seite: 20. Jänner 1997) |